Fünf Maßnahmen gegen den Stau - Moderne Verkehrspolitik 19. Februar 2020 / Mobilität & Verkehr

Ciao Stau! 5 Maßnahmen gegen Straßenüberlastung

Der Postillon hat es wieder mal als erstes herausgefunden. Schon 2017 titelte das Satiremagazin: „Brillanter Autofahrer löst 19 Kilometer langen Stau auf, indem er hupt.“ „Es könnte so einfach sein, isses aber nicht“, wissen dagegen die Fantastischen Vier. Deswegen brauchen wir andere Konzepte gegen Stau.

Es wird zu viel über Straßenbau geredet – dabei bringt uns das aktuell nicht weiter

Eine einfache Antwort auf das Problem Stau ist: Dann bauen wir halt eine zusätzliche Spur oder eine neue Straße. Mal ganz unabhängig davon, ob Straßenbau tatsächlich Staus verhindert, bringt uns das in unserer Situation nicht weiter. Von einer Umgehungsstraße können selbst die größten Optimisten noch viele Jahre lang träumen. Denn die Zuständigkeit für den Bau liegt beim Freistaat, und der hat klar kommuniziert: Erst wird die A 92 ausgebaut, dann die Anschlussstelle Oberschleißheim, dann die B 471 und dann möglicherweise die Ostumfahrung um Dachau. Bis das so weit ist, werden sicher über 10 Jahre vergehen, wenn nicht 20. Und deswegen brauchen wir andere, realistischere Maßnahmen. Das sind Maßnahmen, die nicht jede für sich alleine, aber doch gemeinsam die Verkehrsprobleme in unserer Stadt lindern können.

Rad, Bus und Bahn – Ausbauen, fördern, günstiger machen

Eine Studie belegt, dass ein Großteil der Autofahrten in Dachau sowohl Start als auch Ziel innerhalb der Stadt haben. Es werden also viele kurze Strecken mit dem Auto zurückgelegt. Deswegen ist Maßnahme 1: Den Radverkehr fördern. Mehr und bessere Fahrradwege machen das Radeln attraktiver, ebenso mehr Abstellplätze, zum Beispiel auf der Westseite des Bahnhofs. Auch das Mietradsystem, das wir einführen werden, kann mache Autofahrt überflüssig machen. Maßnahme 2: Das Busangebot weiter ausbauen. Ende des Jahres bieten wir in den Hauptverkehrszeiten einen 10-Minuten-Takt an. Langes Warten an den Haltestellen hat damit ein Ende. Außerdem muss der ÖPNV günstiger werden. Ich fordere ein 1-Euro-Tagesticket für die Dachauer Buslinien und eine 365-Euro-Jahreskarte für den MVV-Bereich. Dazu braucht es staatliche Zuschüsse, wie sie bereits beim beschlossenen 365-Euro-Ticket für Schüler und Auszubildende gewährt werden. Maßnahme 3: Ein zuverlässiger 10-Minuten-Takt bei der S-Bahn. Immer wieder fallen S-Bahnen aus. Die Städte und Landkreise im MVV-Gebiet müssen mehr Druck auf die Bahn ausüben.

Moment, das nützt doch Autofahrern nichts. Eben doch!

Rad, Bus und Bahn fördern, das bringt mir doch nichts, wenn ich auf das Auto angewiesen bin. So könnte man argumentieren. Aber genau das Gegenteil ist der Fall: Jede Förderung von Alternativen zum Auto ist gleichzeitig eine Förderung des Autoverkehrs. Natürlich gibt es Menschen, die unbedingt auf das Auto angewiesen sind. Aber wenn zumindest ein Teil der Autofahrer dank eines verbesserten ÖPNV- und Rad-Angebots auf die eine oder andere Autofahrt verzichtet, dann ist mehr Platz auf der Straße für diejenigen, die mit dem Auto fahren müssen.

Für mehr freie Parkplätze sorgen und Paketzustellung bündeln

Ein nicht unerheblicher Anteil am Verkehrsaufkommen ist der Parksuchverkehr. Denn es gibt in erster Linie nicht zu wenige Parkplätze, sondern zu wenig freie Parkplätze. Maßnahme 4 habe ich in meinen Blog-Artikel „Mehr freie Parkplätze? So geht´s“ beschrieben. Laut einer Studie des Fraunhofer Instituts sind Lieferwagen von Paketzustellern die Ursache jedes fünften innerstädtischen Staus. Deswegen Maßnahme 5: Paketzustellung bündeln. Eine Bündelung der Paketzustellung durch einen einzigen Dienst könnte den Lieferverkehr in der Stadt deutlich verringern und effizienter machen. Auch hierzu habe ich einen eigenen Artikel „Weniger Stau durch gebündelte Paketzustellung“ verfasst.

Auf den Punkt gebracht

Mit der Förderung von Alternativen zum Autoverkehr entsteht wieder mehr Platz auf den Straßen für diejenigen, die auf das Auto angewiesen sind. Die Bündelung des Lieferverkehrs und mehr tatsächlich freie Parkplätze mildern zusätzlich das Verkehrsaufkommen.

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