Für ein selbstbestimmtes Leben im Alter - von Barrierefreiheit bis betreutes Wohnen 3. Februar 2020 / Soziales Dachau

Zufrieden und selbstbestimmt leben – das erfordert Baumaßnahmen und soziales Engagement

In Dachau pflegen wir seit Jahrzehnten eine schöne Tradition: den Seniorennachmittag auf dem Volksfest. Damit sagen wir unseren Seniorinnen und Senioren danke für das, was sie aufgebaut und geleistet haben. Aber wir müssen uns älteren Menschen nicht nur einen Nachmittag lang widmen, sondern das ganze Jahr. Hier müssen wir als Gesellschaft künftig noch mehr tun.

Wunsch und Wirklichkeit klaffen leider oft auseinander

Im eigenen Zuhause gesund, finanziell unabhängig und mit vielen familiären und freundschaftlichen Kontakten leben. So wünschen wir uns das Älterwerden. Wunsch und Wirklichkeit klaffen aber leider oft weit auseinander. Die Realität ist häufig eine andere: die Rente ist niedrig, die Kinder wohnen weit weg, man wird krank oder pflegebedürftig. Dann stirbt auch noch der geliebte Partner. Einsamkeit droht. Natürlich können wir als Stadt nicht die Höhe der Renten oder die Zuschüsse der Pflegeversicherung beeinflussen. Aber trotzdem können wir einen Beitrag leisten zu einem zufriedenen und selbstbestimmten Leben im Alter. Und zwar durch Baumaßnahmen und mit sozialem Engagement.

Betreutes Wohnen auf dem MD-Gelände ist ein Muss

Momentan planen wir die künftige Nutzung des MD-Geländes. Ich finde: Wenn man die Möglichkeit hat, eine so große Fläche neu zu gestalten, dann müssen wir klipp und klar festlegen, dass dort auch Raum für Betreutes Wohnen entsteht. Alles andere wäre ein Schlag ins Gesicht für alle Dachauer Seniorinnen und Senioren, die auf Betreuung angewiesen sind. Deswegen werde ich mich vehement dafür einsetzen, dass im Bebauungsplan für das MD-Gelände Platz für Betreutes Wohnen festgeschrieben wird. Die tatsächliche Wertschätzung für ältere Menschen bemisst sich nämlich nicht in Sonntagsreden, sondern in der Entschlossenheit, ihnen Wohnraum zur Verfügung zu stellen – und zwar nicht irgendwo am Rand, sondern mitten in der Stadt.

Barrierefreiheit ist keine Gnade – da müssen wir konsequenter werden

In den vergangenen Jahren haben wir viele Bushaltestellen barrierefrei umgebaut. In der Altstadt verlegen wir so genannte Laufstreifen mit weniger holprigem Pflaster. Das erleichtert nicht nur die Mobilität von Menschen mit Gehbehinderung, sondern auch von älteren Menschen, die nicht mehr so sicher zu Fuß sind. Den Umbau der Haltestellen und den Einbau der Laufstreifen will ich weiterführen. Aber manchmal mangelt es am Umsetzungswillen. So hat eine Mehrheit den barrierefreien Ausbau der Bushaltestelle auf dem Altstadtberg verhindert. Dazu hätte die Haltestelle vor das Kulturamt verlegt werden müssen, da vor der Pfarrkirche St. Jakob das Gefälle für eine barrierefreie Bushaltestelle zu stark ist. Vor dem Kulturamt hätten vier Parkplätze weichen müssen. Für eine Mehrheit war das ein Ablehnungsgrund. Ich frage: Wollen wir Barrierefreiheit nur dann ermöglichen, wenn sie Junge und Gesunde nicht in ihrer Bequemlichkeit stört? Ist Barrierefreiheit nur eine Gnade, die gewährt wird, wenn sie für andere keine Einschränkung verursacht? Dazu sage ich ganz klar nein! Denn Barrierefreiheit erleichtert älteren Menschen und Menschen mit Behinderung ein selbstbestimmtes Leben.

Mehr soziales Engagement für ältere Menschen

Aber nicht nur baulich will ich mehr für ältere Menschen tun. Es gibt viele Angebote, um Einsamkeit im Alter zu vermeiden oder zu lindern. Diese Angebote müssen wir ausbauen und bekannter machen. Wir müssen Beratungsangebote für das Leben im Alter weiter unterstützen und eine aufsuchende Sozialarbeit einrichten, die einsame Menschen begleitet und unterstützt. Ich will auf den Landkreis und den Bezirk einwirken, um eine bedarfsorientierte Versorgung mit Pflegeplätzen in der Kurzzeitpflege zu erreichen. Und ich will in Kooperation mit Landkreis und Bezirk eine Plattform schaffen, auf der sich pflegende Angehörige über Beratungs- und Unterstützungsangebote informieren können.

Auf den Punkt gebracht

Auf dem MD-Gelände brauchen wir Platz für Betreutes Wohnen. Die Barrierefreiheit müssen wir konsequent vorantreiben und nicht nur dort, wo sie nicht stört. Soziale Angebote sollen Einsamkeit im Alter lindern, pflegende Angehörige durch Information und Ausbau der Kurzzeitpflege entlastet werden.

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